Das Uhrenglas

Das schützende Element der Uhr

Das Uhrenglas schützt das Gehäuse der Uhr vor Schmutz, Staub und anderen externen Störfaktoren. Es gibt unterschiedliche Arten von Materialien, die dafür zum Einsatz kommen. Generell können diese in drei Kategorien unterteilt werden: Kunststoffglas, Mineralglas und Saphirglas. Jedes besitzt unterschiedliche Anwendungsbereiche und Eigenschaften und selbst in jeder einzelnen Gruppe gibt es verschiedene Qualitätsstandards.

Frühe Uhren (vor 1930) waren mit herkömmlichem Fensterglas ausgestattet und dementsprechend nicht sehr bruchsicher. Ab den 1930er Jahren wurde nach und nach Kunststoffglas eingesetzt. Dieses war besonders leicht, günstig und widerstandsfähig. Allerdings besaß es auch eine hohe Kratzanfälligkeit und so kam ab den 1970er Jahren zunehmend gehärtetes Mineralglas auf den Markt. Dieses findet bis heute in einem Großteil der Armbanduhren Verwendung. Ab den 1980er Jahren etablierte sich zunehmend auch das sehr widerstandsfähige, aber auch teure Saphirglas. Besonders bei Sportuhren, die auf eine hohe Stabilität und Kratzresistenz angewiesen sind.

Je nachdem, für welchen Zweck ein Zeitmesser konzipiert wird, muss das dafür verwendete Glas besonderen Anforderungen standhalten. Bei Fliegeruhren soll das Glas entstehende Druckunterschiede ausgleichen, bei Taucheruhren einen möglichen Wassereinbruch verhindern.

Breitling

Wie das Wort bereits sagt, besteht dieses Material aus einem Kunststoff namens Polymethylmethacrylat (Abkürzung: PMMA). Handelsnamen dafür sind meist Plexiglas, Acrylglas oder Hesalithglas. Dieser Stoff hat einige positive Eigenschaften: Er ist sehr leicht, relativ schlagfest und lässt sich leicht polieren. Natürlich weist er auch einige Nachtteile auf, wie die geringe Härte und damit einhergehende geringe Kratzfestigkeit. Feine Kratzer lassen sich bei Kunststoffglas jedoch leicht durch polieren wieder begleichen. Ein weiterer Nachteil ist, dass das Material durch UV-Strahlung und Alter vergilben kann.

Kunststoffglas - leicht und bruchsicher

Daneben hat es osmotische Eigenschaften. Dies bedeutet, dass es in einem sehr geringen Maße wasserdurchlässig sein kann. Wenn Kunststoffglas bei Taucheruhren eingesetzt wird, ist es zu diesem Zweck besonderes dick und besitzt häufig eine Armierung. Solche “armierte” Gläser besitzen einen Metallring an der Basis, der ein Verformen oder Schrumpfen durch Druck oder Wärme abwehrt.

Bei Kunsttoffgläsern gibt es, wie bei jeder anderem Glas auch, unterschiedliche Qualitäts-Standards. Billiges Kunststoffglas wird oft aus Granulat gegossen, während hochwertiges aus Plattenmaterial geformt wird.

Glas Herstellung

Es wird zwischen unbehandeltem und gehärtetem Mineralglas unterschieden.

Einfaches, unbehandeltes Mineralglas ist nichts anderes als normales Fensterglas. Die chemische Bezeichnung ist Siliziumoxid (SiO²). Bergkristall und Rauchquarz sind sehr eng mit Mineralglas verwandt. Durch Zugabe anderer Oxide, wie beispielsweise Aluminiumoxid oder Boroxid, kann Mineralglas veredelt werden und eine bessere Kratzfestigkeit und Härte erhalten (Beispiel: “Hardlex” von Seiko).

Mineralglas - veredeltes und optimiertes Glas

Mineralgläser sind härter als Kunststoffgläser, sie sind weder osmotisch noch vergilben sie. Das Material kann allerdings Schaden nehmen und lässt sich im Falle von Kratzern nicht so leicht polieren wie Kunststoffglas. Mineralglas kann leider auch brechen, im schlimmsten Fall können dabei feine Glassplitter ins Uhrwerk gelangen und das Werk beschädigen. Bei der Qualität lassen sich leicht Unterschiede erkennen: Gutes Mineralglas ist kein schlichtes Fensterglas, sondern sollte gehärtet sein. Die Oberfläche wird in einem Verfahren chemisch gehärtet, das Glas wird stoßresistenter und widerstandsfähiger und vermindert somit eine Splitterung im Falle eines Aufpralls.

Uhrenglas

Das Saphirglas ist eigentlich gar kein Glas, sondern synthetisch hergestellter Saphir. Natürlicher Saphir ist eine Varietät des häufig vorkommenden Minerals Korund mit der chemischen Zusammensetzung Al2O3.

Hergestellt wird es meist synthetisch nach dem Verneuil-Verfahren, ein tiegelfreies Flammenschmelzverfahren zur Herstellung synthetischer Edelsteine.

Saphirglas - König unter den Gläsern

Der Saphir ist eines der härtesten Materialien der Welt und wird dabei nur noch von dem Diamanten übertrumpft. Er wird somit besonders wegen seiner Kratzfestigkeit und Widerstandsfähigkeit geschätzt. Abreibungen und Spuren auf dem Saphirglas werden manchmal fälschlicherweise als Kratzer wahrgenommen, sind allerdings nur Spuren, die weichere Materialien auf dem Glas hinterlassen haben, und können unkompliziert mit einem Radiergummi entfernt werden. Das Saphirglas hat allerdings auch einen Nachteil: Die stärkere Lichtbrechung lässt ungünstige Reflexionen auf dem Glas zu. Doch auch hier wurde bereits eine Lösung gefunden: Spezielle Beschichtungen werden bei der Entspiegelung eingesetzt, um so eine Lichtreflexion zu reduzieren.
Longines Glas