• Material: Uhrengehäuse

In Flammen geschmiedet

Alles, was Sie über das Gehäuse einer Uhr wissen sollten

Das Gehäuse einer Uhr ist weit mehr als nur Dekoration - natürlich beeindruckt es durch seine Gestaltung und die Verwendung edler Materialien, doch gleichzeitig bietet das Gehäuse umfassenden Schutz für die Uhr. Ein Gehäuse kann noch so beeindruckend sein - wenn es Ihre Uhr nicht ausreichend schützt, verfehlt es seinen Nutzen. Die Hauptfunktion ist es, das Uhrwerk zu schützen.

Daher verfügen Gehäuse über unterschiedliche Schutzvorrichtungen, um das Eindringen von Wasser oder Staub zu verhindern. Klassische Gehäuse bestehen aus drei Teilen: Dem Boden, dem Gehäusemittelteil und der Lünette mit Glas. Das Mittelteil verfügt über die sog. Hörner, an denen das Armband befestigt wird. Zwischen den Teilen befinden sich Dichtungen.

Es gibt zwei verschiedene Arten von Dichtungen, die bei Gehäusen verwendet werden: Eine Möglichkeit ist ein flacher Dichtungsring, der auf einer Fläche aufliegt. Diese Variante wird vor Allem bei preiswerten Uhren, die nicht über eine hohe Wasserdichtigkeit verfügen, benutzt.

Durch die hohe Reibung, die beim Verschließen entsteht, kann der Ring verrutschen und gedehnt werden - ein eindeutiger Nachteil. Die andere Dichtungsart ist der so genannte O-Ring. Dieser liegt auf einer speziell eingefrästen Nut und kann somit nicht verrutschen. Wenn das Gehäuse verschlossen wird, wird der Ring leicht oval verformt, kann jedoch durch die Nut nicht zerquetscht oder gedehnt werden.

Hauptbestandteile einer Uhr

Auch das Uhrwerk kann auf verschiedene Weisen im Gehäuse befestigt werden. Am einfachsten ist es, das Uhrwerk von unten einzusetzen, die Aufzugswelle einzuführen und das Ganze mit einem Werkhaltering zu befestigen. Dieser ist aus Metall oder Kunststoff gefertigt und wird in den Spalt zwischen Uhrwerk und Gehäuse eingeführt, um das Werk zu fixieren.

Etwas aufwendiger ist es, den Werkhaltering mit dem Gehäuse und dem Uhrwerk zu verschrauben, dies bietet jedoch erweiterte Stabilität. Werkhalteringe verfügen über den Vorteil, das ein beliebiges Uhrwerk in ein Gehäuse eingesetzt werden kann und somit eine hohe Anpassung von Werk und Gehäuse möglich ist.

Am aufwendigsten ist es, ein Vollgehäuse zu verwenden. Bei dieser Methode enthält das Gehäusemittelteil selbst einen Ring, an dem das Uhrwerk befestigt wird. Das Werk wird von oben eingesetzt und mit Brindenschrauben von der Unterseite befestigt. Diese Variante wird vor allem bei besonders hochwertigen Uhren verwendet. Hier sind Gehäuse und Uhrwerk wie Unikate exakt aneinander angepasst.

Die verschiedenen Gehäusematerialien

Um Wasserdichtigkeit zu garantieren, müssen auch die Krone und die Drücker abgedichtet werden. Dazu wird normalerweise ein Tubus verwendet. Der Tubus ist eine Art Hülse, die in das Gehäuse eingepresst oder eingeschraubt wird. Die Aufzugswelle wird durch den Tubus eingeführt. Im Inneren befindet sich ein Dichtungsring, der das Eindringen von Wasser verhindert. Dies eignet sich jedoch nur für Spritzwasser, zum Tauchen oder Schwimmen ist eine verschraubte Krone notwendig. Hier verfügt der Tubus über ein weiteres Gewinde, in das das Gegenstück der Krone eingreift. Eine weitere Dichtung sorgt außerdem für mehr Sicherheit.

Gehäuse mit abmontierten Armbändern

Chronographendrücker wirken direkt auf Hebel an der Außenseite des Uhrwerkes und benötigen keine Aufzugswelle. Bei der Betätigung von Drückern im Wasser ist höchste Vorsicht geboten, da sich durch das Drücken Spalte auftun können, die wasserdurchlässig sein könnten. In den meisten Bedienungsanleitungen stehen dazu genaue Hinweise; ansonsten können Sie sich auch gerne an uns wenden!

Ursprünglich wurde Messing für die Konstruktion von Gehäusen verwendet, das je nach Wunsch vergoldet, versilbert oder verchromt wurde. In den 30er Jahren kamen dann die ersten Stahlgehäuse auf. Heute werden Gehäuse aus Edelstahl, Gold, Titan, Platin, Keramik oder Kunststoff hergestellt. Materialkombination sind hier möglich. Die Für und Wider der verschiedenen Materialien haben wir für Sie kompakt zusammengefasst.

Die Oberklasse: Gold & Platin

Bei Gold und Platin handelt es sich um relativ weiche Metalle, so dass sie leichter zerkratzen als etwa Edelstahl oder Titan. Der Vorteil ist allerdings, dass sich die Materialien sehr gut polieren lassen und man sie so problemlos von kleineren Kratzern befreien kann. Zudem hat Gold eine einzigartige Farbe, die nicht nur Schmuckträger seit Jahrtausenden fasziniert. Golduhren haben auch einen finanziellen Vorteil - sie sind äußerst wertbeständig und luxuriöse Modelle steigen über die Jahre sogar oft noch im Wert. Hier sollten Sie unbedingt darauf achten, dass Sie alle originalen Papiere gut aufheben.

Der Alleskönner: Edelstahl

Edelstahl wird aus gewöhnlichem Stahl gewonnen. Es gibt allerdings nicht nur - wie oft angenommen - eine Art von Edelstahl, die Bezeichnung trifft auf all jene Metalle zu, die einen besonders hohen Reinheitsgrad besitzen. Außerdem tritt Edelstahl häufig in Legierungen auf. Für die Uhrenproduktion wird der Edelstahl häufig aus Altmetall gewonnen - dieses wird erhitzt und verflüssigt. Um den gewünschten Reinheitsgrad zu erhalten, wird mehrmals geschmolzen und umgeschmolzen. Uhrmacher beziehen das verfestigte Metall dann in Stäben oder Blöcken.

Das feste Metall kann nur mit äußert widerstandsfähigen Werkzeugen bearbeitet werden. Bei der aufwendigen Politur wird der Edelstahl feingeschliffen. Die letzte Politur erfolgt mit dem sogenannten “Schwabbel”, einem Werkzeug, an dem das Material so warm wird, dass sich die Poren der Oberfläche schließen - so entsteht der einzigartige Glanz. Edelstahl ist zwar härter als Gold oder Platin, jedoch immer noch nicht gänzlich vor Kratzern gefeit. Um es beständiger zu machen, wird häufig eine PVD-Beschichtung verwendet. Im Vakuum wird ein besonders hartes Metall verdampft und als dünne Schicht auf dem Gehäuse angebracht.

Titan: Lohnenswert selten

Titan ist Bestandteil zahlreicher Mineralien. Da es jedoch meist nur in geringen Mengen vorkommt, ist seine Gewinnung aufwendig und teuer. Sie lohnt sich jedoch: Titan ist belastbar, extrem widerstandsfähig und leicht. Für Armbanduhren wurde Titan erstmals in den 80er Jahren verwendet und hat seitdem eine rege Anhängerschaft gefunden. Reines Titan ist weicher als Edelstahl.

Es reagiert jedoch mit Sauerstoff und formt eine Oxydschicht, die es etwas kratzfester als Edelstahl macht. Es verträgt jedoch keine Schläge und Stöße und kann schnell verbeulen oder brechen. Um dies zu vermeiden, wird entweder eine Härtung der Oberfläche vorgenommen oder eine besonders harte Legierung (z.B. mit Aluminium) verwendet. Ein Nachteil ist jedoch, dass es sehr schwer ist, das Material nach der Härtung zu bearbeiten.

Erstaunlich resistent: Keramik

Rado hat High-Tech Keramik als Metall für Uhren geprägt. 1962 kam mit der DiaStar 1 die erste kratzfeste Uhr auf den Markt. Zuvor war das Material vor allem in der Raumfahrt bekannt: High-Tech Keramik dient als Hitzeschild bei der Wiedereinkehr von Space Shuttles in die Erdatmosphäre. Die Keramik wird aus Titankarbid- oder Zirkonoxid-Pulver gewonnen.

Das Pulver wird in entsprechende Formen gedrückt und anschließend im Sinterofen bei hoher Temperatur gebrannt. Verschiedene Farben entstehen durch die Zugabe hochreiner und hochschmelzender Farboxide - so wurden neben dem herkömmlichen Schwarz verschiedenste Farben ermöglicht. Abschließend wird das Keramik-Gehäuse mit Diamantstaub poliert und erhält so seinen Glanz. Keramik verkratzt zwar nicht, ist allerdings recht bruchempfindlich und nur schwer zu bearbeiten.

Welche Bedeutung hat die Lünette?

Das Wort Lünette lässt sich vom französischen ableiten und bedeutet kleiner Mond. Der Ring umschließt das Zifferblatt und verstärkt die Ästhetik der Uhr. Je nach Art der Lünette stehen Ihnen jedoch auch äußerst praktische Funktionen zur Verfügung.

Die Taucherlünette: Hier wird das Dreieck vor dem Tauchgang auf den Minutenzeiger gestellt. So wird auf der Lünettenskalierung die vergangene Tauchzeit angegeben. Da die Drücker eines Chronographen unter Wasser nicht bedient werden können, ist die Lünette eine leicht anzuwendende Alternative.

Die Tachymeterskala: Mit diesem Feature lässt sich die Geschwindigkeit berechnen. Die Skala nutzt die Formel Geschwindigkeit gleich Weg geteilt durch Zeit. Der zurückzulegende Weg wird vorab festgesetzt (normalerweise 1km). Der Weg, den der Sekundenzeiger auf dieser Strecke zurücklegt, gibt an wie hoch die Durchschnittsgeschwindigkeit war. So können Sie Ihre Geschwindigkeit in km/h ermittlen.

Die verschiedenen Lünetten-Arten

Die Zeitzonenanzeige: Diese Funktion ist im Urlaub und auf Geschäftsreisen besonders nützlich. Die Uhr verfügt über einen zweiten Stundenzeiger, der auf der Lünettenskala eine weitere Uhrzeit anzeigen kann. So kann man die “normalen” Zeiger bequem auf die Lokalzeit umstellen und auf der Lünette die Zeit im Heimatland ablesen. Wenn beide Stundenzeiger auf die gleiche Zeit eingestellt sind, lässt sich außerdem ermitteln, wo Norden ist: Hierzu richtet man den “normalen” Zeiger auf die Sonne, der zweite Stundenzeiger zeigt dann nach Norden.

Manche Zeitmesser stellen mehrere Lünettenfunktionen zur Verfügung und ermöglichen es Ihnen so, auch im Urlaub zu Tauchen oder Geschwindigkeit und Tauchzeit abzulesen.

Résumé: Gehäuse gibt es also in vielen Variationen: Verschiedene Gehäusearten, Größen, Materialien und Features. Lassen Sie sich beraten und wählen Sie Ihr Gehäuse ganz nach Ihrem individuellen Bedarf aus. Mit dem passenden Gehäuse können Sie sich lange an Ihrer Uhr erfreuen und Ihrer Zeit eine neue Bedeutung verleihen.