Spezialuhren: Höher, schneller, weiter

Für die einen sind Armbanduhren Statussymbole und Modeobjekte, für andere hingegen kann der kleine Begleiter am Handgelenk auch zum überlebenswichtigen Hilfsmittel werden. So trugen etwa die Astronauten der ersten Mondlandung im Jahre 1969 Speedmaster Uhren von Omega. Bis heute ist die Speedmaster die einzige Uhr, die auf dem Mond war. Die Navitimer von Breitling unterstützt bereits seit 1952 Piloten bei der Berechnung von Flugdaten. Für diese Menschen waren ihre Uhren mehr, als nur ein Accessoire. Diese Menschen waren und sind darauf angewiesen, dass ihre Armbanduhren ihnen eine präzise Technik zur Seite stellen.

Über die Jahre hinweg haben Armbanduhren dabei verschiedenste Nischen besetzt und helfen nicht nur Astronauten und Piloten bei ihrer Arbeit. Welche Spezialuhren es noch gibt, was sie können und für wen sie entwickelt worden sind, erfahren Sie im folgenden Text.

Fliegeruhren

Bereits 1906 wurde die erste Fliegeruhr für den brasilianischen Flugpionier Alberto Santos Dumont von Cartier geschaffen. Damals beschränkten sich die “Aviatik-Eigenschaften” der Uhren noch maßgeblich auf ihre äußere Beschaffenheit. So waren die mechanischen Uhren mit extra großen Armbändern ausgestattet, um sie auch über einer Fliegerjacke am Handgelenk tragen zu können. Des Weiteren sorgten leuchtende Ziffern und Zeiger für eine gute Ablesbarkeit bei Nacht und schlechten Sichtverhältnissen. Eine überdimensionierte Krone konnte auch mit dicken Pilotenhandschuhen bedient werden. Die Handschuhe waren damals notwendig, da die Piloten sich nicht in einem geschlossenen Cockpit befanden und zum Teil extremsten Temperaturbedingungen ausgesetzt waren.

Bis zum Aufkommen der Pilotenuhren wurden Uhren außerhalb des Militärs hauptsächlich von Frauen als modisches Accessoire getragen. Mit den Fliegeruhren fanden aber auch erstmals Armbanduhren in der Männerwelt einen größeren Anklang. Ihren glorreichen Siegeszug begangen die Fliegeruhren jedoch erst im Jahre 1952, als Breitling die “Navitimer” der Welt präsentierte. Damals gab es im Cockpit noch keinen elektronischen Bordcomputer, der Flugdaten hätte berechnen können. Die mechanische Navitimer konnte bereits damals viele Navigationsaufgaben durchführen: Die Ermittlung des Durchschnittstempos,Treibstoffverbrauch, die zurückgelegte Distanz und Steig- und Sinkflugraten konnten mit der Armbanduhr berechnet werden.

Fliegeruhren Eigenschaften

Auch wenn die mechanische Berechnung von Flugdaten heutzutage dank aufwendiger, elektronischer Computer obsolet geworden ist, so erfreuen sich Fliegeruhren dank ihres Kultpotenzials und ihre Images immernoch größter Beliebtheit. Zudem können Fliegeruhren auch noch ihr Werk verrichten, wenn die Elektronik ihren Geist aufgeben sollte. Gerade Hobbypiloten verzichten daher nur ungern auf eine zuverlässige Pilotenuhr.

Die Navitimer wird von Breitling bis heute optisch nahezu unverändert weiter produziert. Auch andere Hersteller bieten mittlerweile ein breites Segment an Fliegeruhren an. Rechtlich verbindliche Voraussetzungen um eine Uhr als “Fliegeruhr” zu titulieren, gibt es jedoch nicht. Informieren Sie sich beim Kauf daher über die spezifischen Funktionen und Eigenschaften. In Kooperation mit anderen Experten hat der Fachbereich Luft- und Raumfahrttechnik der FH Aachen einen technischen Standard für Fliegeruhren entwickelt (“TESTAF”), der als Vorlage für eine gesetzliche Regulierung dienen könnte.

Demnach müssten die Zeitmesser über eine gute Ablesbarkeit verfügen, sie müssten widerstandsfähig gegen äußere Einflüsse wie Druckwechsel und Stöße sein und sie dürften keine Auswirkung auf andere Flug-Instrumente haben, etwa durch magnetische Wirkung. Geht es nach den Experten, sollten die TESTAF Kriterien verbindlich werden, denn auch noch heute sind richtige Fliegeruhren mehr als nur ein Modeaccessoire.

Astronautenuhren

Uhren, die eigens an die Bedürfnisse von Astronauten angepasst worden, wollen im wahrsten Sinne des Wortes noch etwas höher hinaus als Fliegeruhren. Ihre Geschichte beginnt noch vor der ersten Mondlandung am 21. Juli 1969. Die erste Uhr beförderte nämlich die russische Raumfahrt ins Weltall. Im Jahre 1961 nahm der russische Astronaut Juri Gagarin eine “Sturmanskie”, die eigentlich eine Marine-Uhr war, mit auf seine Raumfahrt-Expedition.

In den Jahren danach suchte die NASA nach der richtigen Uhr für ihre Ambitionen in der Raumfahrt. 1962 nahm Walter Schirra erstmal eine Speedmaster von Omega mit ins Weltall.

Uhren Weltall

In mehreren Testverfahren der NASA kristallisierte sich das Modell von Omega auch als das beste für die erste Mondlandung heraus. Getestet wurde unter anderem, ob die Uhren extremen Temperaturschwankungen (von -18°C bis 93°C) standhalten können, ob sie stoßfest sind und ob sie auch unter Schwerelosigkeit und magnetischem Einfluss einwandfrei funktionieren. So kam es, dass die Speedmaster von Omega am Handgelenk von Buzz Aldrin die erste Uhr auf dem Mond wurde; und bis jetzt auch die einzige geblieben ist.

Da Astronauten-Uhren von ihren Funktionen her kein breites Spektrum an potenziellen Käufern ansprechen, werden diese Uhren heutzutage nur noch von Omega und wenigen weiteren Uhrenherstellern entwickelt. In den vergangenen Jahrzehnten kamen bei mehreren NASA Expeditionen weitere Speedmaster Uhren zum Einsatz. Dank einer aufgefrischten Optik und ihrer prestigeträchtigen Historie, finden die “Moonwatches” von Omega mittlerweile auch außerhalb der Raumfahrt viele Abnehmer.

Taucheruhren Wasserdichte

Taucheruhren

Die Wasserdichtigkeit spielt beim Kauf einer Uhr für viele Interessenten eine entscheidende Rolle. Doch muss jeder Badeurlauber gleich eine echte Taucheruhr kaufen oder sind diese Spezialuhren nur etwas für professionelle Taucher? Zunächst ist zu unterscheiden zwischen Uhren, die einfach nur über eine hohe Wasserdichtigkeit verfügen und Uhren, die speziell für Tauchgänge konzipiert wurden; sog. “Taucheruhren”. Hierbei ist Ersteres für den Badeurlauber vollkommend ausreichend, sobald die Uhr über eine Wasserdichtigkeit von mindestens 10 bar verfügt, kann sie sorglos mit zum Schwimmen genommen werden.

Für Hobbytaucher könnte es sich jedoch schon anders darstellen, denn eine 10 bar Uhr, die bis zu einem Druck von 100 Metern wasserdicht ist, kann keinesfalls mit auf Tauchgänge in entsprechende Tiefen genommen werden. Die Angabe von 100 Metern bezieht sich nur auf den Druck in einer 100 Meter langen Wassersäule; diese künstlich erzeugte Situation ist jedoch nicht eins zu eins auf größere Wassermassen übertragbar. Daher könnte auch für Gelegenheitstaucher eine Taucheruhr die richtige sein.

Den Tiefenrekord für eine Serienuhr stellte Breitling 2002 mit der Seawolf auf, die erstmals bis 3000 Meter wasserdicht war. Das Schweizer Unternehmen Charmex schlug diesen Rekord mit einem bis zu 6000 Meter wasserdichtem Modell. Den absoluten Rekord hält die Deepsea Challenge 2012, die von Rolex jedoch nicht serienmäßig produziert wird. Die Uhr, die einmal am Arm des Regisseurs James Cameron und einmal am Äußeren seines U-Bootes befestigt wurde, überstand eine Fahrt bis in eine Tiefe von 11.000 Metern. Dort herrschten 1170 Druck bar auf die Uhr, was mehreren Tonnen pro Quadratzentimeter entspricht.

Um in Deutschland offiziell als Taucheruhr deklariert zu werden, müssen noch weitaus mehr Kriterien erfüllt werden, als die bloße Wasserdichtigkeit. Die Voraussetzungen bestimmen sich nach der DIN 8306, die dem internationalen Standard der ISO 6425 entspricht. Hinzu kommen verschiedene Druck- und Temperaturtests, die die Widerstandsfähigkeit der Uhr prüfen. Nur wenn alle Kriterien erfüllt worden sind, darf die Uhr offiziell als Taucheruhr bezeichnet werden.