Wie eine Uhr zum "Chronometer" wird

Eine mechanische Uhr muss sich einer präzisen Prüfung unterziehen lassen, um sich offiziell als Chronometer betiteln zu dürfen

Chrono und Meter - griechisch Zeit und Maß. “Zeitmesser” mag die wörtliche Übersetzung für Chronometer sein, in Wahrheit ist ein Chronometer aber weit mehr als das, nämlich eine absolut präzise Uhr mit Sekundenangabe, die einer Gang-Genauigkeitsprüfung standgehalten hat. Mit dieser Aufgabe beschäftigen sich Prüfstellen in verschiedenen Ländern. Doch ist es nicht allzu überraschend, dass die wichtigste Prüfstelle, die das Zertifikat “offizielles Chronometer” ausstellt, ausgerechnet in dem Land der Pünktlichkeit - der Schweiz sitzt! Chronometer und Chronographen, auch wenn die Begriffe noch so sehr zum Verwechseln einladen, die zwei Uhrentypen sind zwei Paar Schuhe oder Zeiger!

Für die Seefahrt entwickelt

Bei einem Chronographen handelt es sich zumeist um eine analoge Armbanduhr, die sich insbesondere durch ihre Stoppfunktion auszeichnet. Während das Chronometer hingegen ein Qualitätssiegel für eine auf ihre Präzision geprüfte Uhr ist, die eine Stoppfunktion haben kann, aber nicht muss! Im 18. Jahrhundert, zur Blütezeit der Seefahrt, stand man immer noch vor einem gewaltigen Problem. Der Längengrad, auf dem man sich gerade befand, war aufgrund der Drehung der Erde nicht genau zu bestimmen.

Von der hohen See ans Handgelenk

Nach verheerenden Schiffsunglücken mit tausenden Toten schrieb das englische Parlament 1714 schließlich ein hohes Preisgeld für die Lösung des sogenannten Längenproblems aus. Die Lösung fand der Englänger John Harisson rund 20 Jahre später: Er hatte eine Uhr entwickelt, die die Zeit möglichst exakt anzeigte. Denn da von einem Längengrad zum nächsten ein Zeitunterschied von 4 Minuten besteht, führt eine bereits minimal falsch gehende Uhr auch zu falschen Berechnungen des Längengrades. Die Uhr von Harisson gab neben der exakten Sonnenzeit auf dem Schiff auch die exakte Zeit eines bekannten Ortes an, sodass über den Zeitunterschied die Entfernung zu diesem Ort berechnet werden konnte. Leider konnte Harisson erst 1759 eine breitere Masse von seiner Idee überzeugen.

Den Begriff Chronometer prägte allerdings der Uhrmacher John Arnold im Jahre 1780, der Harissons Idee weiterentwickelte. Heute werden Uhren für den maritimen Einsatz Längen- oder Schiffsuhr, Schiffs- oder Marinechronometer genannt, kommen aber aufgrund der Entwicklung der Satellitennavigation und der Quarzuhr nur noch im Notfall zum Einsatz. Das Chronometer hat als Armbanduhr allerdings die Zeit überdauert, denn die höchst präzisen mechanischen Uhren werden für ihre eindrucksvolle Technik noch immer bewundert und geliebt.

Zwar sind Chronometer für ihre Exaktheit bekannt, der Begriff ist allerdings so dehnbar wie die Zeit selbst. Denn viele Hersteller bezeichnen allgemein präzise und qualitativ hochwertige Uhren bereits als Chronometer. Streng genommen darf sich aber nur eine Uhr Chronometer nennen, wenn sie ein standardisiertes Messverfahren in einem Observatorium oder einer Gangkontrollstelle erfolgreich absolviert hat. Nur dann darf das Wort "Chronometer" in eine Uhr eingraviert werden.

Der Wettkampf von Le Locle

Verschiedene Observatorien bieten Chronometerprüfungen an. In Deutschland befindet sich das einzige Institut in der Sternwarte Wempe in Glashütte. Besonders bekannt ist allerdings die legendäre Chronometerprüfung in der Schweiz. Das unabhängige Schweizer Observatoriums Contrôle officiel suisse des chronomètres (COSC) testet die Uhr hinsichtlich verschiedener Kriterien. Ganze 15 Tage lang dauert diese Prüfung bei der die Uhr bei drei verschiedenen Temperaturen und in unterschiedlichen Lagen getestet wird. Das Hauptaugenmerk der Prüfung liegt auf der Ganggenauigkeit. Diese darf je nach Größe des Werks durchschnittlich maximal +/- 2 Sekunden pro Tag betragen, bzw. +/- 3,4 Sekunden für Uhrwerke, die kleiner als 20mm sind.

Chronometerprüfung in Le Locle

Auch Quarzwerke werden vom COSC getestet: Hier dauert die Prüfung elf Tage, die Zeitkriterien sind aber selbstverständlich wesentlich strenger: Das Quarz-Chronometer darf nur um 0,07 Sekunden pro Tag von der offiziellen Zeit abweichen. Chronometrie-Wettbewerbe haben eine lange Tradition, von 1872 bis 1968 wurden sie im Neuenburger Observatorium durchgeführt. Aufgrund der sogenannten “Quarzkrise”, einem Einbruch der Uhrenindustrie, die durch die Erfindung des Quarz-Uhrwerkes ausgelöst worden war, stellte man die Wettbewerbe jedoch ein. Doch weil sich Chronometer-Uhren wieder einer großen Beliebtheit erfreuen, richtet das Uhrenmuseum Le Locle seit 2009 alle zwei Jahre einen Chronometriewettbewerb aus. Er wird von der COSC, der Haute Ecole ARC und dem Observatoire de Besançon organisiert.

Chronometer-Zertifikate steigern den Wert einer Uhr. Das haben auch die Hersteller von Luxusuhren erkannt. Der sogenannte “Gangschein” einer anerkannten Prüfstelle und der Schriftzug “Chronometer” sind ohne Frage ein erstklassiges Qualitätssiegel für eine Uhr. So tragen die Tissot Uhren T-Complication Chronometer, Luxury Automatic Lady COSC, Luxury Automatic Gent COSC und Le Locle Automatic Gent COSC bereits das berühmte Qualitätssiegel im Namen. Auch die Meister Chronometer und die Chopard Kollektion L.U.C haben erfolgreich den COSC-Test oder die Prüfung für das ebenfalls sehr angesehene Siegel "Poinçon de Genève" für Uhren aus dem Schweizer Kanton Genf bestanden!