Natur, Zucht und Imitation

Welche Perle ist hier noch echt?

Bevor Anfang des 20. Jahrhunderts die Zucht von Perlen entdeckt und betrieben wurde, wurde jahrtausendelang nach den kostbaren Naturprodukten getaucht. Die Menschen erkannten wohl schon vor etwa 5000 Jahren den Wert von Perlen. So erzählt eine chinesische Geschichte, dass Kaiser Yu bereits damals Perlen als Geschenk erhielt. Auch die alten Griechen schienen bereits früh Gefallen an den fabelhaft glänzenden Kugeln gefunden zu haben: Im Museum of Art in New York ist ein Collier aus Perlen und Gold ausgestellt, welches auf das Jahr 300 v. Chr. datiert ist und aus Griechenland stammt.

Perlen, die nicht gezüchtet werden und in einem natürlichen Ökosystem entstehen, nennt man Naturperlen. Perlen entstehen dadurch, dass sich die Muschel vor Eindringlingen in das Gehäuse wehren möchte. Man nimmt an, dass bei Naturperlen oft Larven oder Verunreinigungen der Auslöser sind. Um diese Fremdkörper herum bildet die Muschel eine Perlmuttschicht, die im Laufe der Zeit zu einer Perle heranwächst. Bei der Perlenzucht wird dieser “Eindringling” künstlich eingesetzt, zumeist wird hierzu ein Stück Gewebe einer fremden Muschel verwendet. Dies ist bei Salzwassermuscheln notwendig, da sie sonst keine Perlmuttschicht bilden würden. Bei Süßwassermuscheln ist jene Prozedur - aus wissenschaftlicher Sicht noch nicht erklärbar - nicht nötig. Sie bilden nur mit Hilfe eines Schnittes in das Muschelgewebe und ohne ein fremdes Muschelstück eine Perlmuttschicht.

Auch Zuchtperlen wachsen auf natürliche Weise heran

Zuchtperlen sind also genau wie Naturperlen Naturprodukte. Auf den ersten Blick können auch Profis keine Unterschiede feststellen. Nur mit Hilfe von Röntgenstrahlen kann die innere Struktur einer Perle sichtbar gemacht werden und so bestimmt werden, ob sie eine Zucht- oder Naturperle ist. Künstliche Imitations-Perlen sind hingegen keine Naturprodukte und werden nur durch Menschenhand erschaffen. Ihre somatische Beschaffenheit hat nichts mit der einer echten Perle zu tun. Daher sind sie nicht nur weniger wert, sie versprühen auch nicht die Magie und den Glanz einer echten Perlen. Bei der Produktion von Imitations-Perlen kommt in der Regel Glas oder Muschelschalen-Pulver zum Einsatz. Bei den Perlen, die aus gemahlenen Muschelschalen bestehen, ist besondere Vorsicht geboten, da die synthetischen Perlen (auch “MK Pearls” oder “shellpearls” genannt) gerne mit den Namenszusätzen Südsee oder Tahiti versehen werden, es sich hierbei aber nicht um echte Südsee- oder Tahitiperlen handelt. Die shellpearls werden lediglich aus dem Pulver von Muschelschalen aus diesen Regionen hergestellt.

Perlen in Rom

Unsere zwei Tipps, damit Sie beim Perlenkauf schnell die echten von den unechten Exemplaren unterscheiden können!

Tipp Nr. 1: Reiben Sie die Perlen aneinander oder gegen Ihre Zähne. Wenn die Perle glatt hinüber rutscht, ist sie wahrscheinlich eine synthetische Perle. Spüren Sie jedoch Widerstände und eine raue Oberfläche, handelt es sich vermutlich um eine echte Perle. Dies liegt an dem schichtartigen Aufbau einer Perle. Die Perle setzt sich aus verschiedenen sechseckigen Plättchen, den sog. Argonitkristallen, zusammen. Unter dem Mikroskop sind daher auch leichte Höhenunterschiede zwischen diesen Plättchen sichtbar, die dafür verantwortlich sind, dass die Oberfläche einer Perle nie zu 100% eben ist.

Tipp Nr. 2: Betrachten Sie den Lüster und die Farbe einer Perle. Sind diese nur oberflächlich, handelt es sich wahrscheinlich um eine Kunstperle. Bei echten Perlen geht der Glanz und die Farbe in das Innere der Perle hinein. Tipp: Halten Sie die Perle gegen eine Lichtquelle.